Entdecken Sie das Alte gypten neu!

mit der Tehuti Research Foundation




Letzte berarbeitung vom 18. November 1998



Die Religion im Alten gypten

Die Grundlagen der gyptischen Religion

In gypten war das, was wir heute Religion nennen, so weit verbreitet und so ein fester Bestandteil des Lebens, da man nicht einmal einen Namen dafr brauchte. In ihrer eigenen Sprache hatten die gypter deshalb ursprnglich gar keinen Begriff dafr.

Aus unserer heutigen Sicht gab es fr die gypter keine sprbare Trennung zwischen religisem und weltlichem Handeln. Alles, was sie taten – egal, wie alltglich es auch immer sein mochte – das Pflgen, das Sen, das Ernten, das Brauen, der Schiffsbau, die Kriegsfhrung, Spiele, das System der Gewichte und Mae – alles wurde als Symbol fr das Handeln der Gtter im tglichen Leben auf der Erde betrachtet.

Genau definiert handelt es sich bei einer Religion um ein System aus Glauben, Verehrung und bestimmten Verhaltensweisen, das oft einen festgelegten Kodex der Ethik und Philosophie beinhaltet. Die Hauptbestandteile der gyptischen Religion (des metaphysischen Glaubens) in der frhesten Geschichte waren:

  1. Gott als religiser Ursprung von allem
  2. Die Erschaffung des Universums
  3. Die Erschaffung des Menschen und seine Rolle im Universum
  4. Das Bekenntnis
  5. Das Leben nach dem Tod



1 – Gott als religiser Ursprung von allem

Im engsten Sinne ist die gyptische Religion eine monotheistische Religion, die also nur einen Gott verehrt. Die gypter betrachteten das Universum als bewute Schpfung des EINEN GROSSEN GOTTES. Ihre Grundberzeugung war also die Einigkeit Gottes. Dabei wurde dieser EINE GOTT nie knstlerisch dargestellt, sondern man verdeutlichte nur seine Taten und die Eigenschaften seiner Herrschaft. Alles, was als Hinweis auf seine Taten und auf seine Eigenschaften diente, wurde zu einem bedeutenden Werkzeug zur Widerspiegelung seiner besonderen Taten und Eigenschaften und seines Einflusses auf die Welt. Diese unterschiedlichen Funktionen und Eigenschaften als Schpfer, als der Weise, als Heiler und als der Ewige bezeichnete man als neteru” (in der Einzahl als neter” in der mnnlichen Form und als netert” in der weiblichen Form). Deshalb war also ein gyptischer neter”/”netert” kein Gott/keine Gttin, sondern einfach die Personifizierung einer bestimmten Funktion oder einer bestimmten Eigenschaft dieses EINEN GOTES.

Die gyptische Denkweise, da dieser EINE GOTT durch seine Funktionen und Eigenschaften dargestellt werden kann, findet sich auch genauso unter den Menschen wieder. Jeder von uns hat bestimmte Aufgaben und Eigenschaften. Ein Mensch kann ein Lehrer im Klassenzimmer, ein Vater fr seine Kinder, ein Ehemann fr seine Frau, ein Spieler in seiner Mannschaft sein,… usw. Dabei hat dieser Mensch keine geteilte Persnlichkeit, aber einfach unterschiedliche Aufgaben und Eigenschaften.

Die gypter erkannten die universelle Gltigkeit dieser Denkweise an und verwendeten sie fr alle Bereiche der in Hierarchien aufgebauten Welt. Obwohl uns das im ersten Moment kompliziert erscheinen mag, steht es doch im Zusammenhang mit dem wirklichen Leben und stimmt sogar mit ihm berein. Das war das eigentliche Wesen der gyptischen Philosophie, einer realen Philosophie, die auf logischen, systematischen und zusammenhngenden Grundlagen aufgebaut ist.

Im Mittelpunkt ihres Gesamt-Verstndnisses des Universums stand die Erkenntnis, da der Mensch als Ebenbild Gottes erschaffen wurde und deshalb ein lebendiges Abbild der Schpfung darstellt. Daher wurden die gyptischen Symbole und Mastbe auch gleichzeitig auf den Menschen, die Erde, das Sonnensystem und letztendlich das gesamte Universum bezogen.

Um diese abstrakten Vorstellungen von den Eigenschaften Gottes vereinfacht zu erklren, wurden einige grundlegende Darstellungen eingefhrt. Dadurch wurden die Darstellungen von Ptah, Osiris, Amun, Mut usw. zu Versinnbildlichungen dieser Eigenschaften und Funktionen.

Diese Figuren sollten nur Aufmerksamkeit auf sich ziehen und einige legendre Schilderungen uder abstrakte Gedanken veranschaulichen, aber keine wirklichen Personen darstellen. Es existierte keine vorgeschriebene Form fr einen/eine neter”/”netert”, und die gypter glaubten, da ein/eine neter”/”netert” jede beliebige uere Form annehmen knnte, da der Sinn der Darstellung eben nur darin bestand, Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken oder abstrakte Gedanken zu versinnbildlichen.

Ptah



2- Die Erschaffung des Universums

Die Erschaffung des Universums und des Menschen sind sich gegenseitig ergnzende und miteinander verflochtene Themen. Dabei wird von der Erschaffung des Universums an jede Schpfung einzeln betrachtet.

Die kosmologische Denkweise im Alten gypten wurde in Mythen und Symbolen ausgedrckt, die als bedeutende Mittel zur Erklrung metaphysischer Gedanken dienten. Die Philosophie, die Mathematik und die Wissenschaft sind eigentlich trockene Fachbereiche mit vielen abstrakten Behauptungen, aber die Mythologie vereint philosophische und wissenschaftliche Gedanken in Form einer Erzhlung, vergleichbar mit einem leicht verstndlichen religisen Schauspiel oder einem geheimnisvollen Stck. Rein philosophische und wissenschaftliche Abstraktionen und Ausdrcke werden dagegen viel seltener allgemein verstanden, und die Information an sich ist wertlos, solange sie nicht verstndlich gemacht werden kann. Gut gemachte Mythologie fhrt dieses Verstndnis herbei.

Die gyptischen Schpfungsmythen in Bezug auf das Universum hneln den Erzhlungen in den ersten Kapiteln der Genesis: Gott erschafft den Himmel und die Erde, teilt das Wasser, erschafft das Licht und schenkt den Tieren und dem Menschen das Leben.

Der Ursprung der Welt und die neteru”, die an der Schpfung beteiligt waren, blieben fr die gypter immer sehr interessant und anziehend. Dabei wurde die gyptische Kosmologie in vier getrennte, sich aber gegenseitig ergnzende Lehren geteilt, von denen jede ihre eigenen Besonderheiten besa. Diese Lehren mu man als detaillierte Fassungen der verschiedenen Stadien, die in den ersten Kapiteln der Genesis beschrieben werden, betrachten. Sie umfassen vier Schwerpunkte, die durch vier verschiedene neteru”, die flschlicherweise in der bersetzung als Gtter” bezeichnet wurden, vertreten werden. Die bedeutendsten neteru” der Schpfung sind Ra aus Heliopolis, Ptah aus Memphis und Amon aus Thebes. Der vierte, Tehuti (Thoth) aus Hermopolis beschrieb die Schpfung als Folge des Wortes – wie am Anfang des Johannes-Evangeliums.

Die wissenschaftlichen und philosophischen Grundlagen bei der Erschaffung des Universums (wie z.B. der Groe Knall”), die in den Lehren dargestellt werden, finden Sie in gyptische Kosmologie: Die absolute Harmonie.



3- Die Erschaffung des Menschen und seine Rolle im Universum

In bereinstimmung mit dem gyptischen metaphysischen Glauben wurde der Mensch, obwohl die Schpfung hauptschlich spirituell ist, sterblich erschaffen, trgt aber die Saat Gottes in sich. Der Sinn seines Lebens besteht darin, diese Saat zu nhren, und wenn er dabei gute Ergebnisse erzielt, wird sein Lohn das ewige Leben sein, in dem er sich mit seinem gttlichen Ursprung vereinigt. Die Pflege der Pflanzen auf dem Feld entspricht deshalb der Pflege des Geistes auf der Erde durch das Vollbringen guter Taten.

Weitere Informationen finden Sie in gyptische Kosmologie: Die absolute Harmonie, von Moustafa Gadalla.



4- Das Bekenntnis

Ein Bekenntnis ist hierbei eine Sammlung von Schriften, die von einer religisen Gemeinschaft als Wahrheit betrachtet werden. Also stellt die Bibel das bekenntnis der Christen dar. Entstanden ist sie als Ergebnis einer bestimmten Auslegung verschiedener lterer Schriften durch die Kirche, wobei nach der endgltigen Auswahl die Bibel in der heutigen Fassung mit neununddreiig (39) in ihr zusammengefaten Schriften im Alten Testament und siebenundzwanzig (27) Schriften im Neuen Testament vorlag. Auch die Alten gypter hatten eine Vielzahl metaphysischer Schriften und Lehren, aber diese wurden niemals in einer einheitlichen Darlegung zusammengefat, und die gypter legten nie ein einheitliches Bekenntnis ab – egal, worum es sich handelte. Einige dieser Schriften stehen sogar im Widerspruch zueinander, aber das spielte keine Rolle, weil niemand sich dafr verantwortlich fhlte, aus ihnen eine Auswahl fr das Volk zu treffen. Jede Ansicht und jede Meinung wurde als weiterer Schlssel zur Wahrheit betrachtet, die sich schlielich passend zur Form des Schlosses zusammenfgten. Deshalb wurden sie ausnahmslos respektiert und beibehalten.

Nie gab es eine einzige religise Authoritt, die die Macht besa, einzelne Schriften auszuwhlen und in einem einzigen Bekenntnis zu vereinigen, wie das mit der Bibel geschah. Die einzige Ausnahme bildete Akhenaton’s Herrschaft, aber Akhenaton war geistig verwirrt.

Der Inhalt der gyptischen Religion basiert auf metaphysischem Glauben. Dabei stellt das gesamte Universum eine Schpfung mit einem bestimmten Sinn und Ziel dar. Der Mensch, der aus Fleisch und Blut entstand und sich in den Geist verwandeln kann, wurde erschaffen, um eine besondere Rolle im gesamten Kosmos zu spielen. In den gyptischen Schriften werden die einzelnen Etappen des Verwandlungsprozesses des Menschen von seinem fleischlichen Dasein auf der Erde bis zu seinem rein spirituellen Dasein genau beschrieben.

Jede dieser Schriften betont besondere Aspekte des gyptischen Glaubens zum Leben, zum Tod und zur Wiedergeburt. Dabei hat das Buch der Hhlen psychologischen Inhalt und handelt hauptschlich von der Bestrafung und der Belohnung. Das Buch der Tore” hat hauptschlich spirituellen Inhalt, und das Buch darber, was sich im Duat bzw. der Unterwelt befindet”, handelt vor allem von Magie und Alchemie. Im Buch vom Tag und im Buch von der Nacht werden kosmologische und astronomische Aspekte betont.

Oft wurde das Buch vom Weiterkommen bei Tag falsch bersetzt und ist heute allgemein als gyptisches Buch vom Tod” bekannt. Es besteht aus ber einhundert Kapiteln mit unterschiedlicher Lnge, die meist aus den (Pyramiden-)Schriften von Unas Begrbnis” (etwa aus dem Jahr 2.500 v.u.Z.) abgeleitet wurden. In vollstndiger Form kann man diese Texte nur auf Schriftrollen nachlesen, die in den Mumien von Verstorbenen verborgen und mit ihnen begraben waren.



5- Das Leben nach dem Tod

In Form eines Lehrbuches unterwies ein gyptischer Knig seinen Sohn, den Prinzen, darin, wie er die hchstmglichen Ideale im Leben anstreben sollte, weil nach seinem Tod sein ganzes Leben in einem einzigen Augenblick vor ihm ablaufen wird und er dann Rckschau auf sein gesamtes Tun, das von den Richern beurteilt wird, halten mu. In den letzten Jahren beschrieben zahlreiche Bcher die Nahtod-Erlebnisse vieler Menschen. Bei diesem Phnomen wird immer wieder berichtet, da das ganze Leben der betroffenen Person in einem Moment wie ein Film vor ihr abluft. Der Tod ist fr die Menschen mit Nahtod-Erfahrungen nicht das Ende, sondern viel eher ein bergangsstadium, und das pat wiederum genau zum gyptischen Glauben, der einen Umwandlungsproze einschliet, der mit dem Tag des Jngsten Gerichts beginnt, an dem das Leben eines Menschen bewertet wird.

Wie es vorher bereits erwhnt wurde, drckten die Alten gypter ihren metaphysischen Glauben gern in Form einer Erzhlung (oder eines Mythus) aus wie bei einem religisen Schauspiel oder einer geheimnisvollen Auffhrung. Nachfolgend wird die gyptische Darstellung der Vorgnge beim Jngsten Gericht beschrieben.

Der Geist des Verstorbenen leugnet vor dem ihm zugewiesenen Richter, gesndigt oder Fehler begangen zu haben, indem er die zweiundvierzig Verneinungen (hnlich der zehn Gebote) aufsagt. Diese Verneinungen stammen aus dem Buch vom Weiterkommens bei Tag (allgemein und flschlicherweise bekannt als Buch vom Tod). Es folgt eine bersetzung einiger dieser Verneinungen, von denen sich verschiedene zu wiederholen scheinen, aber das liegt wohl hauptschlich daran, da die Aussagen aus der Originalsprache nicht genau bersetzt werden konnten.

  • Ich habe keine Ungerechtigkeiten begangen.
  • Ich habe nicht gestohlen und Gewalt angewendet.
  • Ich habe keine Gewaltttigkeiten begangen.
  • Ich habe keinen Diebstahl begangen.
  • Ich haben keinen Mann und keine Frau gettet.
  • Ich habe nicht falsch gehandelt.
  • Ich habe nichts gestohlen, was Gott gehrt.
  • Ich habe kein falsches Zeugnis abgelegt.
  • Ich habe keine bsen Worte gesagt.
  • Ich habe keinen Menschen angegriffen.
  • Ich habe nie die Frau eines anderen Mannes begehrt.
  • Ich habe keine Snde gegen die Reinheit begangen.
  • Ich habe niemandem Angst gemacht.
  • Ich war kein Mensch des Zorns.
  • Ich habe mich fr die Worte von Recht und Wahrheit nicht taub gestellt.
  • Ich habe keinen Streit entfacht.
  • Ich habe keinen Menschen mibraucht.
  • Ich habe nicht vorschnell geurteilt.
  • Ich habe kein Wasser verschmutzt.
  • Ich habe keine Unverschmtheiten begangen.
  • Ich habe nicht nach Ruhm und Auszeichnungen gestrebt.

Die unvollkommene Seele wird in einer neuen physischen Hlle (einem neuen Krper) wiedergeboren, um ihr die Mglichkeit zu geben, sich auf der Erde weiterzuentwickeln. Dieser Kreislauf setzt sich fort, bis die Seele die erstrebte Reinheit durch die Erfllung der zweiundvierzig Gebote whrend ihres Lebens auf der Erde erlangt hat.

Die gypter schienen den Reinkarnations-Proze durch die Mumifizierung der Krper zu behindern. Durch die Konservierung der physischen Hlle konnte die Seele in der unbekannten Welt des Duat weiterleben, und dadurch gelang es ihr schlielich, ihre eigene Auferstehung zu erreichen, ohne da sie weitere physische Reinkarnationen durchlaufen mute.

Die vollkommene Seele wird eine Umwandlung durchlaufen und, wie es in den gyptischen Schriften heit, zu einem Stern werden, sich zu Ra gesellen und ihn bei seiner Reise in seinem Boot aus Millionen Jahren durch den Himmel begleiten”.

Fr weitere Informationen zu diesem Thema lesen Sie gyptische Kosmologie: Die absolute Harmonie, von Moustafa Gadalla.

Geschrieben durch: Moustafa Gadalla

bersetzt durch: Christiane Mller




ber unsere Bcher
Informationen zur Bestellung
Zurck zur Inhaltsbersicht (http://www.egypt-tehuti.org/german/german.html)



Books by Moustafa Gadalla [available in paperback and/or electronic book (PDF) formats]:


The Ancient Egyptian Culture Revealed
The Ancient Egyptian Roots of Christianity
Egyptian Divinities The All Who Are THE ONE
Egyptian Cosmology The Animated Universe
Egyptian Mystics Seekers of the Way
Egyptian Rhythm The Heavenly Melodies
Egyptian Harmony The Visual Music
Egyptian Romany The Essence of Hispania
Pyramid Handbook
Tut-Ankh-Amen The Living Image of the Lord
Exiled Egyptians The Heart of Africa
Egypt A Practical Guide
Sacred Geometry and Numerology Tutorial
Egyptian Musical Instruments
The Twilight of Egypt (eBook Only)
Historical Deception The Untold Story of Ancient Egypt (Out-of-Print)
The Egyptian Alphabet of Creation [Pending]
Egyptian Architecture [Pending]
Duperie Historique La V������©rit������© Dissimul������©e sur l'Ancienne ����¯�¿�½gypte
Der Betrug mit der Geschichte Die unver������¶ffentlichte Geschichte des Alten ����¯�¿�½gypten
Divinidades Egipcias Todos son el ����¯�¿�½nico

Publisher: Tehuti Research Foundation


Tehuti Research Foundation (T.R.F.) is a non-profit organization, dedicated to the study of Ancient Egypt, in a purer form. To help us provide free information to the public, please tell others about our website, purchase our books, and/or ask your library (public and/or school) to purchase our books. For more information about T.R.F., Click here.
Thank you.



| Main Page | Publisher Info | Our Books (Paperback and Electronic) | Electronic Articles | Contacts |